Kolumne

Was der Blase und den Harnwegen gut tut

Harnwegsinfekte zählen neben Infekten der Atemwege zu den häufigsten, durch Bakterien verursachten Infektionskrankheiten. Der Verursacher der Beschwerden im Harnwegsbereich ist meist das Bakterium E. Coli, das von außen über die Harnröhre in die Blase eindringt und sich dort vermehrt. Dadurch wird die Schleimhaut der Blase irritiert und diese schwillt in weiterer Folge an.

Daraus resultieren die typischen Merkmale einer Entzündung wie Einwanderung von Leukozyten, der Anstieg von Entzündungsmarkern und starke Schmerzempfindlichkeit. Dies verursacht ein Hauptsymptom der akuten Blasenentzündung den starken Harndrang. Schon ein geringer Dehnungsreiz in der Blase bei geringem Füllungsgrad, löst nun einen intensiven häufigen Harndrang aus. Weitere Leitsymptome sind ein brennendes Gefühl und leichte Druckschmerzen im Unterbauch beim Urinieren.

Durchspülen mit Arzneitees

Als Basis bei der Behandlung von Harnwegsinfekten ist immer eine ausreichende Durchspülung der Harnwege durch Erhöhung der Flüssigkeitsmenge zu nennen. Hier bieten sich verschiedene Teezubereitungen mit Arzneipflanzen wie Goldrute, Birke, Brennnessel, Schachtelhalm, Orthosiphon, Odermennig oder Hauhechel an. Die harntreibende Wirkung wird hier durch die enthaltenen Flavonoide hervorgerufen. Es sollten im Allgemeinen 3-5 Tassen dieser Teezubereitungen über den Tag verteilt getrunken werden. 

Die Beerentraube hat durch das in den Blättern enthaltene Arbutin, das im Körper durch Bakterien zum antibakteriell wirksamen Hydrochinon umgewandelt wird, eine desinfizierende Wirkung. Eine Alkalisierung des Harnes ist entgegen früherer Empfehlungen zur Steigerung der Wirksamkeit nicht notwendig. Durch den in den Blättern vorkommenden hohen Gerbstoffgehalt können Magenreizungen auftreten. Durch einen mehrstündigen Kaltauszug, der erst kurz vor dem Abseihen aufgekocht wird, kann der Gerbstoffgehalt im Tee vermindert werden und dieser somit magenverträglicher werden.  

Cranberry, Preiselbeere und D-Mannose

Preiselbeere und Cranberry hemmen durch die in den Beeren enthaltenen Tannine und Proanthocyanidine die Anhaftung der Bakterien an die Blasenschleimhaut. Dadurch und durch eine Ansäuerung des Harnes werden diese in der Vermehrung gehemmt.  Die in Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel enthalten Senföle zeigen eine breite antibakterielle Wirkung gegen verschiedene Bakterienstämme.  

Der Zucker D-Mannose hat die Fähigkeit Bakterien zu binden und somit deren Anhaftung an die Schleimhaut zu verhindern. Die Bakterien werden an den Zucker gebunden und mit dem Harn ausgespült. Xyloglucan mit Gelatine soll die Vermehrung der Bakterien im Darm und das Aufsteigen in die Blase vermindern. Durch Ansäuerung des Harnes durch Methionin oder Vitamin C wird das Milieu in den Harnwegen für die eingedrungen Bakterien ungünstiger.  

Mag. Clemens FeldmannSchmerzstillende und entzündungshemmende Wirkstoffe

Im Arzneimittelbereich hat eine Kombination aus Rosmarin, Tausendgüldenkraut und Liebstöckel vielversprechende Studiendaten geliefert. Sie wirkt krampflösend, entzündungshemmend und anregend auf die Nierentätigkeit. 

Schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Ibuprofen oder das krampflösende Butylscopolaminbromid stellen wirksame symptomlindernde Möglichkeiten der Behandlung dar. Hier bedarf es allerdings einer pharmazeutischen Beratung durch den Apotheker. 

Gerade Frauen leiden häufig unter immer wiederkehrenden Beschwerden mit Blase und Harnwegen. Eine vorbeugende regelmäßige Behandlung mit Cranberry, Preiselbeere und D-Mannose hat sich hier bewährt. Es empfiehlt sich hier lösliche Produkte, wie Granulate oder Flüssigextrakte zu wählen, da diese gleichzeitig die Trinkmenge erhöhen und somit die Durchspülung der Harnwege verbessern. 

Für die tägliche Arbeit an der Tara

Mag. Clemens Feldmann, Autor des Buches "Rezeptfrei in der Apotheke. Ein Leitfaden für den Freiverkauf" gibt in seiner Herba Impulse-Kolumne regelmäßig Tipps für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, PKA und Aspiranten zu aktuellen Fragen in der Apotheke.

Sein Buch richtete sich an alle, die sich einen Überblick über die Welt des rezeptfreien Sortiments verschaffen wollen, egal ob als Berufseinsteiger, als Untersützung für Ausbilder, oder erfahrene Apothekenmitarbeiter. Einfach aufgebaut und ausgehend von den 46 häufigsten Beschwerden enthält es Leitfäden für Beratungsgespräche, eine Übersicht möglicher Therapieoptionen ja nach Themenbereich, wertvolle Tipps aus der Praxis und Red Flags, die eine Selbstmedikation ausschließen.

© Text: Mag. Clemens Feldmann; Fotos: Andreas Rausch; Adobe Stock