Betriebsdirektor Erich Krenz im Portrait

Die Liebe des Herrn Krenz zur Veränderung

Seit fast fünf Jahrzehnten geht Erich Krenz im Klagenfurter Herba Chemosan Gebäude ein und aus. Herba Impulse sprach mit dem Betriebs- und Verkaufsdirektor des Kärntner Standorts über Veränderungen, wie aus Kundinnen und Kunden Freunde werden und was in Zukunft auf die Herba zukommt.

Sinnsprüche zum Thema Veränderung gibt es viele: Von „Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung“ (Heraklit) über „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“ (Kafka) bis zum oft gehörten „Pantarhei – alles fließt“ (ebenfalls Heraklit). Erich Krenz, Betriebsdirektor von Herba Chemosan Kärnten, kennt sie vermutlich alle, denn Veränderungen hat er so einige mitgemacht. Und nicht nur das: Er selbst ist eine gewichtige Konstante im Betrieb einer Branche, die ständigem Wandel unterworfen ist. „Ich lebe seit Jahrzehnten in Veränderungen“, sagt er, „aber die sind für den Erfolg notwendig. Die größten Umbrüche sind in den letzten zehn Jahren passiert, weil die Vernetzung begonnen hat und neue Vertriebswege in den Markt drängen.“

Abgesehen davon wurde die Betriebsstätte erweitert und umgebaut, die Fördertechnik automatisiert und modernisiert – was eben nötig war, um den Erfolg halten zu können, von dem er sich immer leiten ließ. Die Herba Klagenfurt ist nicht umsonst Marktführer und beliefert über 100 Apotheken in der Region, die sehr zufrieden sind mit dem Service. Das hat eine Befragung ergeben, die kürzlich durchgeführt wurde.

Vom Lehrling zum Direktor

Aber begonnen hat alles anders. „Aus Sicht meiner Eltern hätte ich Lehrer werden sollen. Aber es hat nicht geklappt, dass ich die Ausbildung beginne – und dann entschied ich mich für die Drogistenlehre.“ Im August 1971 startet er seine Karriere, von der er zum damaligen Zeitpunkt noch nicht ahnt, wie sie sich entfalten würde. Nach drei Jahren schließt er die Lehre ab, „und seitdem hat es mich nirgendwo anders hin verschlagen“, sagt er und lacht. Er arbeitet sich hoch zum Betriebsdirektor – ein Berufsweg, der heute so nicht mehr vorstellbar wäre. Eine hohe Führungs- oder  Managementposition in der Pharmabranche ohne akademische Ausbildung ist schon seit Langem undenkbar. Dennoch müsse man hier auch relativieren, so Krenz: „Auch Akademiker, die ohne Praxis in ein Unternehmen geschubst werden, müssen sich beweisen. Und ich denke nicht, dass es in allen Branchen unmöglich ist, es als Nicht-Akademiker zu etwas zu bringen. Man muss eben an sich arbeiten, das ist das Wichtigste.“

Erfolg als Antrieb

Heute arbeiten bei der Herba Kärnten 83 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn es um deren Führung geht, hat er stets den Erfolg des Unternehmens im Fokus. „Ich versuche, meinen Mitarbeitern zu vermitteln, dass wir alle gemeinsame Ziele haben und eine Einheit bilden“, sagt er. Das beinhalte manchmal auch unpopuläre Maßnahmen wie zum Beispiel Arbeitszeitveränderungen. „Wir werden vom Gesetzgeber getrieben, der uns mit Kürzungen beglückt, während wir gleichzeitig Kostensteigerungen erfahren – im Beruflichen wie im Privaten. Dann ist es wichtig, der  Belegschaft zu erklären, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden, um Verständnis zu generieren“, so der Betriebsdirektor. Dies scheint zu funktionieren – viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind, wie er selber, dem Betrieb seit Jahrzehnten treu. Daneben gibt es aber auch viele jüngere Kolleginnen und Kollegen. Genau dieser Mix sei es, von dem alle profitieren. Eine Konstellation, die Wachstum und Weiterentwicklung ermögliche. Wer so lange in einem Betrieb arbeitet, häuft so einiges an Wissen an. Den ursprünglichen Berufswunsch des Lehrers kann Krenz heute auf eine andere Art und Weise ausleben – indem er das Wissen und die Erfahrung, die er in den letzten Jahrzehnten gewonnen hat, weitergibt: „Wir haben wöchentlich einen Jour fixe im Haus, bei dem es um aktuelle Themen, Probleme und Hoppalas geht, und da versuche ich, so viel wie möglich einfließen zu lassen.“ Außerdem gebe es Dokumentationen, Leistungsberichte und Aktennotizen, um Know-how aufzubauen und zu übertragen. Damit nichts verloren geht, wenn er einmal in Pension geht.

Wenn der Kunde zum Freund wird

Wenn man Krenz so zuhört, entsteht der Eindruck: Der Mann lebt für seinen Beruf. Und tatsächlich sagt er von sich selbst: „Es gab in all den Jahren nur sehr wenige Tage, an denen ich mit Widerwillen in die Arbeit gegangen bin.

Mir macht das Arbeiten Spaß, es hat mir immer schon Spaß gemacht, und Grund dafür ist sicher auch, dass wir immer erfolgreich waren – und sind.“ Wie er sich den Erfolg erklärt? Abgesehen vom hohen Level an Qualität und Service – pünktliche Zustellungen, Warenverfügbarkeit und Co. – seien auch Soft Skills ausschlaggebend: „Wenn ich jemandem offen und herzlich gegenübertrete, dann ist das ein guter Einstieg. Und wenn ich dann auch noch Kompetenz an den Tag lege und ein tolles Service anbiete, dann ergeben sich sehr gute Kundenbeziehungen, die in etlichen Fällen auch in Freundschaften ausgeartet sind“, sagt Krenz. Dazu passt auch sein Lebensmotto: „‚Das geht nicht‘ ist für mich ein verpöntes Wortspiel, weil immer etwas möglich sein muss, wenn ich wirklich kundenorientiert denke. Daher sage ich immer: Sag niemals nie.“ Krenz hat Freude am Umgang mit anderen, sieht Probleme als Herausforderungen, an denen man wachsen kann. Weitere Eigenschaften, die nötig sind, wenn man in seinem Job richtig gut sein will.

Ja, Erich Krenz lebt für seinen Job. Aber ein Hobby gibt es, das ihn ebenfalls seit jungen Jahren begleitet: der Fußball. Heute mehr als Zuseher im Stadion und vor dem Fernseher – früher, da hat er selber gespielt. Ganz aufgegeben hat er das aktive Spiel aber nicht: „Einen Abend in der Woche bin ich mit sieben Freunden beim Training.“ Und den Rest seiner Freizeit widmet er seiner Gattin und dem gemeinsamen Sohn sowie sich selbst – zu Zwecken der Regeneration und Erholung, die er sich unter anderem „bei einem guten Essen mit einem guten Glas Wein“ gönnt.

Ohne Weiterbildung kein Weiterkommen

Was seiner Meinung nach in Zukunft auf die Herba zukommt? „Es wird spannend. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch nicht sagen, wohin die Digitalisierung tatsächlich führen wird. Aber wichtig ist es und wird es für die Herba sein – wenn wir weiterhin Marktführer bleiben wollen –, sich diesen Herausforderungen zu stellen.“ Dabei sei besonders wichtig, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motiviert zu halten – und sie für die Ansprüche der Zukunft zu schulen und weiterzubilden.


Autor: mm
Fotos: © Regine Schöttl