Betriebsdirektor Gregor Engele im Portrait

Dankbarkeit muss authentisch sein

Wertschätzung und Anerkennung sind der Schlüssel zu tragfähigen Beziehungen, beruflich wie privat davon ist Gregor Engele überzeugt. Mit Herba Impulse sprach der Betriebs- und Verkaufsdirektor von Herba Chemosan Salzburg über den Herba-Spirit in Salzburg, seinen Führungsstil und warum es sein kann, dass man ihn spätnachts noch im Wald antrifft.

Es ist schon einige Jahre her, dass ein Sturm über das Firmengebäude auf dem Ausstellungsgelände nahe der Westautobahn fegte, einen Teil des Daches abdeckte und die Verbindung zum Stromnetz zerstörte. Schon nach zweiein halb Stunden war man über ein großes Anhängeraggregat wieder mit Strom versorgt, die Kunden spürten den Ausfall nur für ein bis zwei Stunden. Möglich war das aufgrund der Autonomie des Regionalstandorts, die schnelle Entscheidungen zulässt, und des Engagements aller Mitarbeiter. „Beide sind Standpfeiler unserer Unternehmenskultur, für die ich dankbar bin“, sagt Engele, der im nächsten Jahr sein 30-jähriges Firmen jubiläum feiert. Als er 1997 von der Herba in Tirol nach Salzburg wechselte und kurz darauf die Betriebsleitung übernahm, bemerkten viele Mitarbeiter: „Herr Engele, Sie sagen so oft Danke.“ Das war ungewohnt. Ihm sei von klein auf mitgegeben worden, sich zu bedanken, wenn etwas nicht selbstverständlich sei, erzählt der gebürtige Innsbrucker, der im September 50 wurde. Und er halte es bis heute so. „Denn ich weiß, wie gut mir selbst Lob und Anerkennung tun. Es kostet nichts und macht glücklich.“ Glücklicher als so manche materielle Zuwendung wie Prämien und natürlich Lohn oder Gehalt – diese Abgeltung der Leistung in Geld sei die Basis. „Wenn drei Leute ausgefallen sind, und die Kollegen im Lager trotzdem pünktlich fertig werden, kann man schon einmal hingehen und das persönlich ansprechen. Dank motiviert und ist für mich insofern ein wichtiges Instrument der Mitarbeiterführung.“

Das will er jedoch nicht im Sinne eines Kalküls verstanden wissen, denn Dankbarkeit funktioniere nur, wenn sie authentisch sei. Nicht alle Arbeitnehmer trugen den neuen Stil mit, den er als familiär beschreibt. Er musste jedoch niemanden kündigen, „das bereinigte sich von selbst“. Heute hat er eine Truppe von rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die allesamt voll hinter dem Unternehmen stehen. „Familiär heißt, es gelten Regeln, die auch in einer Familie funktionieren würden. Wertschätzung, Zusammenhalt, sehen, dass der Mensch nicht mit dem Job endet und es im Privatleben nur funktionieren kann, wenn das Gesamte stimmt. Aber auch Fairness und gegenseitige Unterstützung – das fordere ich ein.“

VOLLE RÜCKENDECKUNG

Nachdem er mit 21 Jahren in Tirol im Expedit begonnen hatte, machte er vom Einkauf über die Warenübernahme bis zum Telefonverkauf praktisch alle Unternehmensbereiche durch. „Die genaue Kenntnis aller Aufgaben befähigt mich zu unterscheiden, wann ein Mitarbeiter Dienst nach Vorschrift macht und wann er über sich hinauswächst.“ Als er sich weiterentwickeln wollte, es in Tirol aber keine Perspektive mehr gab, bot ihm der Vorstand an, nach Salzburg zu wechseln.

Dankbar ergriff er die Möglichkeit, im Unternehmen zu bleiben, und dankbar ist er auch seiner Frau Brigitte und den zwei Kindern, dass sie mit ihm übersiedelten und ihm volle Rückendeckung gaben. Die Ehe währt nun schon 25 Jahre, das Paar lernte sich in der Herba kennen. Das erleichterte der gelernten Drogistin, ihrem Mann zu folgen. Heute leitet sie in Salzburg stellvertretend das Lager.

Ehe und Job ausreichend voneinander zu trennen war für Engele niemals schwer. Aufgrund der Aufgabenbereiche hätten er und seine Frau tagsüber nicht viel miteinander zu tun. „Ich habe es aber immer als Riesenvorteil gesehen, jemanden zu haben, der haargenau versteht, wenn ich einmal mein Herz ausschütten will. Oder auch, wenn ich sage, heute Abend will ich nicht mehr über die Arbeit sprechen.“ So wuchsen die Kinder in enger Vertrautheit mit der Firma auf. Tochter Sarah schnupperte während mehrerer Ferialpraktika bei der Herba Arbeitsluft, war während ihrer Ausbildung an der Schule für medizinische Verwaltung in Salzburg in Teilzeit im Unternehmen beschäftigt und arbeitet heute im Gesundheitsbereich.

Sohn Raphael absolvierte nach der Schulzeit seine Lehre zum Bürokaufmann in der Herba, durchlief alle Unternehmensbereiche und fand schließlich im Telefonverkauf einen Bereich, in dem er seine Leidenschaft für die Kommunikation ausleben konnte – insgesamt sechs Jahre lang.

DEN KOPF FREI MACHEN

Trotz dichter Arbeitstage findet Engele siebenmal pro Woche Zeit für Sport. „Es kann sein, dass ich spätabends mit der Stirnlampe und dem Mountainbike im Wald unterwegs bin oder vor Arbeitsbeginn um fünf in der Früh auf dem Berg.“ Das habe sich erst in den letzten Jahren entwickelt, nachdem der Betriebsdirektor hatte erkennen müssen, dass Burn-out nicht nur ein Modewort war, sondern eine ernst zu nehmende Gefahr. Sich aus zu powern mache den Kopf frei. Probleme könne man damit zwar nicht auslöschen, die Sicht darauf ändere sich aber. „In der Bewegung denke ich nach, analysiere, treffe auch berufliche Entscheidungen.“ Die Familie musste lernen, dass er dabei ab und zu gerne alleine ist. Im Alltag, wenn Zeitmangel herrscht, tun es die effizienten Sportarten wie Laufen und Gerätetraining. Wenn es möglich ist, widmet er sich aber geliebten Wassersportarten wie Tauchen, Segeln und dem Wakeboard. Zum Beispiel einmal im Jahr am Meer, beim gemeinsamen Urlaub mit der ganzen Familie, die mit Enkelsohn Jonas erst vor Kurzem Zuwachs bekam. „Wir haben noch kein Jahr ausgelassen, es stärkt einfach die Beziehungen.“

SICH ZEIT NEHMEN

Auf die Beziehungsqualität achtet Engele auch bei den Kunden. Immer wieder zeige sich, wie Vertrauen Jahre brauche, um zu wachsen. „Durch Dinge, die wir erfüllen oder übererfüllen, besondere Services oder  Erreichbarkeit zu ausgefallenen Uhrzeiten in Notfällen. Erst kürzlich halfen wir einer Kundin, die uns noch nicht gut kannte, mit einem Kühlschrank aus, als ihrer defekt war und sie auf den neu bestellten warten musste. Sie war sehr froh, aber auch überrascht über diese Art der Unterstützung. Ich sage den Kunden immer, rufen Sie uns an, wenn Sie etwas brauchen! Nicht immer können wir helfen, aber auf jeden Fall versuchen wir es und melden uns dann zurück.“ Ganz wichtig sei, sich ein- bis zweimal im Jahr für ein längeres Gespräch Zeit zu nehmen. So könne man den ganzen Menschen kennenlernen und die Zusammenarbeit auf eine andere Ebene heben.

Manchmal drückt sich der Dank dann in einer so schönen Geste aus wie einer Torte, die ein Kunde den Salzburgern mit der Aufschrift „Danke für 100 Jahre Herba“ schenkte. Persönlich blickt Engele optimistisch in die Zukunft. „Wir waren 100 Jahre für die Kunden da und haben uns kontinuierlich verbessert.“ In den 30 Jahren seiner Tätigkeit für das Unternehmen hat er viele Veränderungen erlebt: „Den Herba-Spirit aber, die Schlagkraft eines regionalen, familiären Unternehmens von überschaubarer Größe, haben wir uns unverändert bewahrt. Ich glaube, es wird uns so auch noch die nächsten 100 Jahre geben.“


Autor: et
Fotos: © Reinhard Winkler, privat