Digi-Tipp

Smartes Training für Schlaganfall-Patienten

Virtuelle Realität. Die App des oberösterreichischen Start-ups rewellio fördert eine raschere Genesung nach einem Schlaganfall.

Georg Teufl hat viele Facetten: Bevor er zehn Jahre lang als Physiotherapeut arbeitete, hatte er eine Ausbildung zum Softwareentwickler absolviert. In seinem Start-up-Unternehmen rewellio verbindet er nun beide Welten. Gemeinsam mit seinem Team hat er eine App entwickelt, die die Genesung nach einem Schlaganfall unterstützt. Sie ermöglicht den Betroffenen, ihre Reha in den eigenen vier Wänden fortzusetzen und beeinträchtigte Bewegungen in Eigenregie weiter zu trainieren. Die App verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz: Im Mittelpunkt stehen Symptome, die häufig mit einem Schlaganfall einhergehen, wie Arm- und Handlähmungen oder Seh- und Sprachstörungen.

Im ersten Schritt registriert man sich auf der rewellio-Website. Danach lädt man sich die App im App Store oder Playstore herunter, und schon ist man startklar. Derzeit gibt es eine Gratisvariante mit mehreren Übungen. Ab Jahresende vertreibt rewellio das virtuelle Reha-Angebot im Abo-System für 20 bis 30 Euro im Monat. Georg Teufl setzt sich dafür ein, dass langfristig die Krankenkassen diese Kosten übernehmen.

 

Gamification als Gesundheitstraining
Je nachdem, auf welchem Gerät die App läuft, kann man damit unterschiedliche Dinge tun. Via Tablet trainieren Reha-Patienten mit spielerischen Übungen ihre kognitiven und praktischen Fähigkeiten, lösen etwa einfache Rechenaufgaben oder werfen Gegenstände kontrolliert um. Biofeedback ermöglicht es ihnen, kleinste Muskelbewegungen wahrzunehmen und bewusst zu steuern.

Mit Virtual-Reality-Brillen wird in erster Linie die visuelle Aufmerksamkeit trainiert. Box- oder Rhythmusaufgaben fördern die Beweglichkeit der Arme. Aus rechtlichen und sicherheitstechnischen Gründen (Sturzgefahr) muss eine andere Person die VR-Brille via Tablet mit den Übungen beschicken und den Patienten überwachen. 

Rehazentren können die rewellio-Software mit EMG-Biofeedback-Bändern verbinden, um den Fortschritt ihrer Patienten zu beobachten.

 

Geförderte Forschung
Gemeinsam mit der FH Gesundheitsberufe Oberösterreich forscht rewellio zum Einsatz von Apps bei der Reha und testet dabei Funktionen und Usability. Um die Übungen individuell anzupassen und das Angebot generell zu optimieren, werden derzeit Patientenprofile erstellt. Diese „datengenerierte Personalisierung“ fördern Austria Wirtschaftsservice, Forschungsförderungsgesellschaft und weitere Partner mit 800.000 Euro.

Künftig will rewellio seine App auch international vertreiben. In Europa, Kanada und den USA wurde sie bereits als Medizinprodukt zertifiziert, erste Pilotprojekte laufen.

Georg Teufl, rewellio CEO und Mitgründer, betreibt mit seinem Team Büros in Bad Ischl und Los Angeles

Mehr Infos unter www.rewellio.com

© Text: Silke Ruprechtsberger; Foto: Rewellio GmbH