Notapotheke für die Welt

Hilfreich. Das deutsche Medikamentenhilfswerk action medeor schickt Jahr für Jahr rund 300 Tonnen in Katastrophen- und Krisengebiete. Der Großteil wird durch Spenden finanziert.

Es begann alles 1964 im deutschen Örtchen Tönisvorst am Niederrhein. Damals sammelte der Landarzt Dr. Ernst Boekels bei seinen Kollegen einige hundert Kilogramm an Medikamentenmustern, ließ sie von einer Gruppe engagierter Leute aus der Region sortieren und verschickte sie in die ärmsten Länder der Erde. 

55 Jahre später ist „action medeor“ die größte Notapotheke der Welt. Die Medikamente stammen längst nicht mehr von Ärztemustern. action medeor bezieht sie von Großhändlern oder lässt Generika produzieren. Die Weitergabe erfolgt zum Selbstkostenpreis. Fehlt den Partnern das Geld, wird die Sendung aus Spenden finanziert.  

Zu den Empfängern zählen Kliniken und Gesundheitsstationen ebenso wie kirchliche Einrichtungen und NGOs. Wenn Partnerorganisationen um Antibiotika, Virustatika, Antidiarrhoika und Co. ersuchen, müssen sie belegen, dass sie gemeinnützig sind und über entsprechendes Fachpersonal verfügen. 

Bitte ausladen: Eine Lieferung kommt auf den Philippinen an

Rasche Hilfe bei Katastrophen

In einer 4.000 Quadratmeter großen Halle lagern Hilfspakete, die im Katastrophenfall binnen 24 Stunden in die betroffenen Regionen verschickt werden können. Sie enthalten beispielsweise Schmerzmittel, Antibiotika, Wasserentkeimungstabletten und Verbandszeug. 

In nachhaltigen Gesundheitsprojekten in 17 Ländern, wie zum Beispiel Haiti, Malawi und Nepal, engagiert sich das Medikamentenhilfswerk etwa für eine Basisversorgung, Aufklärungskampagnen im Hygienebereich und im Kampf gegen HIV/Aids. Weil in vielen Ländern des Südens falsch gelagerte Medikamente und Produktfälschungen verheerende Folgen für die Gesundheit der Menschen haben, fördert action medeor zudem die Ausbildung von lokalen Apothekern. 

action medeor versorgt Menschen mit wichtigen Medikamenten und fördert die Ausbildung von lokalen Apothekern. Auch in Tansania unterstützt das Hilfswerk die Einrichtungen vor Ort.


Von Afghanistan bis in die Zentralafrikanische Republik

Aktuell hat action medeor 79 hauptamtliche und 40 ehrenamtliche Mitarbeiter. 158 von der WHO als essenziell eingestufte Medikamente sowie 563 medizinische Bedarfsartikel und Geräte liegen im Lager. Im Jahr 2018 wurden 16.669 Pakete mit Arzneimitteln und medizinischen Geräten in 82 Länder verschickt. Mittlerweile hat action medeor auch Niederlassungen in Tansania und Malawi.
Deutsches Medikamenten-Hilfswerk action medeor e.V.
St. Töniser Straße 21
47918 Tönisvorst
www.medeor.de

© Text: Silke Ruprechtsberger, Foto: action medeor, Gerry Ruiz