Pharmazieforum 2018

"Wer nicht begeistert ist, hat schon verspielt"

Das Pharmazieforum im Ennstal hat sich als eine der zukunftsweisendsten Fortbildungsveranstaltungen für Pharmazeutinnen und Pharmazeuten in Österreich etabliert. Es findet traditionell im Rahmen der Winterschule statt, die heuer ihr 20-jähriges Jubiläum feierte.

Für Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz war es – wie seit zwei Jahrzehnten jedes Jahr im Jänner – ein Heimkommen im doppelten Sinn: Zum einen ist der Vizepräsident der Goethe-Universität, der seit seiner Postdoc-Zeit in Deutschland lebt und forscht, in der Steiermark geboren. Zum andern hat er die inzwischen traditionsreiche zweitägige  Fortbildungsveranstaltung mitbegründet.

„Wir haben damals als Frankfurter Pharmazieschule* die Winterschule ins Leben gerufen, eine einwöchige Klausur, die unsere Studierenden auf den Abschluss des 1. Abschnitts vorbereitet“, erzählt der am Institut für Pharmazeutische Chemie tätige Professor. Parallel dazu entstand die Idee, gleichzeitig die österreichische Apothekerschaft auf das Schloss Pichlarn nach Aigen zu holen, um die Studierenden mit der künftigen Kollegenschaft zu vernetzen und die Perspektive des lebenslangen Lernens schon während der Ausbildung zu verankern. Die Winterschule findet heuer zum 20. Mal statt, das Pharmazieforum zum 19. Mal.

STARKE PARTNERSCHAFT

In der Herba fand die Goethe-Universität von Anfang an einen verlässlichen und tragenden Partner. „Wir haben uns immer schon mit der Zukunft beschäftigt, das liegt sozusagen in der DNA des Unternehmens“, sagt Gudrun Reisser, Leiterin Unternehmensmarketing bei Herba Chemosan. „Innovationen in der Medizin und Pharmakologie an die Apothekerschaft zu vermitteln, sehen wir als unsere Aufgabe. Und einen Partner mit besserem Gespür für Cutting-Edge-Themen als die Professoren aus Frankfurt hätten wir nicht finden können.“ Nicht nur im lebenslangen Lernen erkannten diese frühzeitig einen gesellschaftlichen Trend. Mit Konsequenz wurden Jahr für Jahr Themen auf die Agenda gesetzt, die noch nicht breit wahrgenommen wurden, ihre Bedeutsamkeit für die klinische Praxis jedoch in den Folgejahren entfalten sollten. Als Beispiele seien die Pharmakogenomik oder Immun-Checkpoint-Inhibitoren in der Krebstherapie genannt.

„Ich komme beinahe jedes Jahr, nicht nur, weil die Natur rund um das Schloss ein Rahmen ist, der die Beschäftigung mit visionären Themen befeuert. Ich kann mich darauf verlassen, dass ich hier Dinge frühzeitig erfahre, die in der Pharmazie relevant sind. Das Forum ist ein echtes Juwel“, sagt Mag. pharm. Heinz Haberfeld von der Landschaftsapotheke Baden, ein Besucher der Veranstaltung.

BOWIE UND DER LEBERKREBS

Auch in der Vermittlung geht die Frankfurter Uni innovative Wege. Der als Doppelconference geführte „Musikvortrag“ von Prof. Dr. Theo Dingermann und Prof. Dr. Dieter Steinhilber, die jedes Jahr anhand der Biografie eines populären Künstlers die Therapie einer Erkrankung aufrollen, erfreut sich großer Beliebtheit. Heuer referierten die beiden Professoren über David Bowie, der 2016 an einem hepatozellulären Karzinom verstarb, das höchstwahrscheinlich durch eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus verursacht wurde. Erst seit Kurzem stehen neue Wirkstoffe zur Verfügung, die die Therapie der davor als unheilbar geltenden Infektion revolutioniert haben und in den allermeisten Fällen zur kompletten Ausheilung führen. Bekanntermaßen ist die Therapie sehr teuer. Dort, wo sie zur Verfügung steht, ist zu erwarten, dass auch die Prävalenz des Leberzellkarzinoms signifikant zurückgeht. Für den Rockstar kam sie zu spät.

MITREISSENDE DIDAKTIK

Nicht nur heuer ernteten die Professoren für ihren Vortrag tosenden Applaus. „Wer nicht fasziniert und begeistert ist, der hat schon verspielt“, betont Schubert-Zsilavecz die Bedeutung einer mitreißenden Didaktik. „Das ergibt sich aus dem Selbstverständnis der Frankfurter Hochschullehrer, dass sie diese Vermittlung sehr ernst nehmen. Wissenschaftliche Exzellenz darf nicht nur innerhalb der Uni stattfinden, sie muss auch nach außen getragen werden.“ Eine Fortsetzung im bewährten Stil ist geplant. 

Besucherstimmen

„Der Vortragende Schubert-Zsilavecz beim Pharmazieforum hat Kult-Status. Ich empfehle jedem: Hingehen!“
Mag. Eva Grabner, Marienapotheke Langenzersdorf

„Am Puls der Zeit, interessante Forschungsergebnisse, jedes Jahr ein Erlebnis.“
Mag. Augustine Schlack, Apotheke Stainz

„Man muss selbst einmal teilgenommen haben, um zu wissen um was es geht. Mit Worten ist es schwer zu beschreiben. Das Pharmazieforum ist ein Highlight. Ich möchte nicht mehr darauf verzichten“
Mag. Erich Zöchling, Apotheke Traisenpark St. Pölten

„Das Pharmazieforum bietet eine tolle Gelegenheit, um sich auch mit Studenten auszutauschen und Einblick in die aktuelle Ausbildung zu bekommen.“
Mag. Gertrude Kölbel, Marchfeldapotheke Deutschwagram

Fotos: © Regine Schöttl