Best Practice

„Wir sind kein Museum!“

Alte Spora – ganz neu. Die Apotheke in der Wiener Straße in St. Pölten war ein historisches Schmuckkästchen in einem denkmalgeschützten Umfeld. Doch spätestens durch die Corona-Vorkehrungen wurde es in dem alten Gewölbe zu eng. Jetzt ist die Mannschaft rund um Mag. pharm. Stephan Öhlzelt zwei Häuser weiter in komplett umgebaute, moderne Räumlichkeiten umgezogen.

Einen kleinen Tapetenwechsel sollte sich jeder hie und da gönnen – erst recht nach annähernd 400 Jahren: Seit 1626 beherbergte der Standort Wiener Straße 14 in der St. Pöltner Altstadt eine Apotheke. Seit den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts firmierte sie unter dem Namen ihres damaligen Besitzers Mag. pharm. Josef Spora als Alte Spora Apotheke. Das Gebäude mit seiner Barockfassade von Joseph Munggenast ist denkmalgeschützt, das Lokal selbst ein etwas niedriges Gewölbe mit originalen, erst 2008 unter der Aufsicht des Bundesdenkmalamts restaurierten Stuckdecken und dunklen Holzschränken. So apothekentypisch sah es hier aus, dass es sogar einmal als Kulisse für einen Fernsehfilm im Apotheker- und Ärztemilieu herhielt.

Mag. pharm. Stephan Öhlzelt übernahm 2004 die Alte Spora Apotheke.

All das war wunderschön, wurde aber mit der Zeit ein bisschen eng, sagt Inhaber Mag. pharm. Stephan Öhlzelt: „Die Offizin war nicht mehr als 30 Quadratmeter groß, dabei führten wir rund 5.000 Artikel!“ Der aus einer Winzerfamilie stammende Öhlzelt kannte die Beengtheit gut, immerhin arbeitete er hier seit 1996. Zunächst teilte er sich seine Arbeitszeit noch zwischen der Alten Spora und einer Apotheke in Langenlois, unweit seines Heimatorts Zöbing, auf. Ab 1999 war er dann Vollzeit in der Alten Spora, die er 2004 schließlich übernahm. Er trug sich immer wieder mit dem Gedanken, an einen größeren Standort zu übersiedeln. Nur fehlte es an Gelegenheiten. 

Dann trafen zwei unvorhersehbare Ereignisse ein: „Zum einen Corona, das uns drastisch vor Augen führte, dass wir einfach zu wenig Platz hatten. Auf der Straße bildeten sich regelmäßig Schlangen, weil wir nur drei Personen auf einmal bedienen konnten! Zum anderen wurde auf Nummer 18 eine Filiale der in Konkurs gegangenen Modekette Mr. Sahm geschlossen. Der Hausbesitzer rief mich an, ob ich nicht Interesse am Geschäftslokal hätte. Und wie! Ihm war an einem langfristigen Mietverhältnis gelegen – genau wie mir.“

Auf 85 Quadratmetern Offizin können nun viele Produkte ansprechend präsentiert werden.

 

Fliegender Wechsel bei laufendem Betrieb

Im Mai 2020 wurde auf Nummer 18 mit Vorarbeiten begonnen, der Umbau erfolgte dann ab Dezember. Mehr fliegender Wechsel geht nicht: „Es war ein nahtloser Übergang bei laufendem Betrieb: Am Wochenende des 10. und 11. Aprils sind wir mit Sack und Pack und den etwa 18.000 Arzneimittelpackungen, die wir auf Lager hatten, übersiedelt. Am Samstag um 12 Uhr wurden die Pforten und Fensterläden der alten Apotheke für immer geschlossen, und Montagfrüh wurde, während im Backoffice noch gewerkt wurde, die neue eröffnet.“ Leider – auch das eine Corona-Auswirkung – ganz ohne Feierlichkeiten. 

Das Büro von Stephan Öhlzelt gleich hinter der Offizin ist zwar auch jetzt eher ein Kämmerchen als ein Raum. Aber er ist froh, auf insgesamt 250 Quadratmetern, davon 85 Quadratmeter Offizin, alles unterzubringen, was die Apotheke und die Kunden brauchen: „Wir können unser Sortiment an Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln sowie Kosmetik nun gut sichtbar präsentieren, und in der barrierefrei zugänglichen Offizin können sich acht Personen gleichzeitig aufhalten.“

Kräutermischungen sind zahlreich verfügbar und werden auf Wunsch auch individuell hergestellt.

Einiges an historischem Mobiliar wurde mit übersiedelt, um ein wenig vom Ambiente hinüberzuretten und, wie Innenarchitekten sagen, „Akzente“ zu setzen. Das gelingt auch gut: In einem Eck steht eine alte Personenwaage, eine der Taras ist historisch, auf zwei Theken sind alte Apothekerwaagen platziert. Dahinter prangt die Sponsionsurkunde von Josef Spora, unweit davon hängen dessen Ölporträt und einige Stiche von Vorvorgängern aus der Barockzeit mit den damals üblichen latinisierten Namen.

Einige historische Stücke sind mitgewandert und setzen an der neuen Adresse Akzente, etwa die Personenwaage und die Apothekenwaagen an der Tara.

Ansonsten ist die längliche Offizin komplett neu eingerichtet, ein hell, luftig und übersichtlich gestalteter Raum. Stephan Öhlzelt: „So soll es sein: ein paar historische Objekte, aber ansonsten alles modern. Schließlich sind wir ein Geschäft, kein Museum!“ Für das Gewölbelokal auf Nummer 14 soll es indessen schon Interessenten geben, darunter eine Bäckerei. Die hat zwar auch eine Menge Artikel, aber es müssen ja nicht gleich 5.000 sein! 

 

Alte Spora Apotheke
Wienerstraße 18, 3100 St. Pölten
Beschäftigte: 8
Gesamtfläche: 250 m²
Leitung: Mag. pharm. Stephan Öhlzelt
www.altesporaapotheke.at

© Text: Harald Sager; Fotos: Matthias Dorninger 

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