Apothekenporträt

„Wenn Sie die Tür offen lassen, hören Sie 50 Sprachen!“

Übersiedlung. Anfang des Jahres ist auf der äußeren Mariahilfer Straße eine tipptopp neu ausgestattete Apotheke eröffnet worden. Mit dem multikulturellen Umfeld kommt der aus dem Iran stammende Apothekenleiter Mag. pharm. Danial Taheri gut zurecht – nicht zuletzt, weil sein Team die Kundenaufträge in sechs Sprachen entgegennehmen kann. 

In den letzten Jahren hatte Danial Taheri nicht unbedingt eine leichte Zeit, aber jetzt ist für ihn schön langsam Land in Sicht: „Ich war, nachdem ich in mehreren Apotheken und zuletzt vier Jahre in Breitenlee als Leiter gearbeitet hatte, entschlossen, meine eigene Apotheke zu haben. Auf der Mariahilfer Straße 190 wurde die Apotheke Zur heiligen Martha frei, ich übernahm sie und zog Anfang 2016 dort ein. Das Geschäftslokal, das es an dieser Stelle und unter diesem Namen seit über hundert Jahren gab, war jedoch nicht modernisierbar. Daher richtete ich parallel zum laufenden Betrieb ein von Grund auf neues ein. Im Februar sind wir dorthin umgezogen.“ 

Da die Räumlichkeiten nicht modernisierbar waren, zog die Apotheke um: ins Nachbarhaus

Die Übersiedlung war in dem Fall noch die geringste Schwierigkeit, denn die neue Apotheke befindet sich im Nachbarhaus, auf Nummer 192. Damit war aber noch nicht alles eitel Wonne, denn beide Gebäude werden vom ersten Stock weg völlig neu errichtet. Mit dem Ergebnis, dass Taheri in der kurzen Zeit, seit er den neuen Standort bezogen hat, mit Bauarbeiten und einer Fassadeneinrüstung zu leben hat. Bis wann? „Das wird noch dauern!“ Sogar einen Wassereintritt an der Decke musste er überstehen – die Handwerker im ersten Stock hatten einfach vergessen, den Boden zu isolieren, und schon regnete es. Schließlich war auch noch das IT-System umzustellen, und das gleich zweimal. Danial Taheri: „Ich hatte die IT von Sanodat, wurde aber von Freunden überredet, zu der eines Mitbewerbers zu wechseln. Die bewährte sich aber ganz und gar nicht, sodass ich nach ein paar Monaten reumütig zu Sanodat zurückkehrte!“ 


Hochmodernes Kommissionierungssystem

Jetzt aber ist Schluss mit den weniger erfreulichen Ereignissen aus der Vergangenheit. Das neue Geschäftslokal beinhaltet neben dem Verkaufsraum noch das Backoffice mit Labor, Küche, Büro, Warenlager im Keller, Badezimmer und Bett für den diensthabenden Apotheker. Danial Taheri: „Die meisten Nachtdienste mache ich aus Kostengründen selbst.“ Die Ausstattung ist „State of the Art“, wobei der Knüller das vollautomatische Kommissioniersystem hinter dem Verkaufsraum ist: Zwei hohe Regalreihen, zwischen denen sich ein Roboterarm mit atemberaubender Geschwindigkeit zum jeweiligen Platz schwingt, sobald ein Auftrag vom Display an der Tara erfolgt ist. Er entnimmt das gewünschte Arzneimittel und befördert es in Sekundenschnelle zu einer der drei Ausgabestellen. Etwa 14.000 Artikel hat die Apotheke im Sortiment, und das ist auch nötig: „Heutzutage gibt es einiges an Kontingentware. Es ist wichtig, so viel wie möglich vorrätig zu haben, um zu verhindern, dass der Kunde woanders einkauft.“ 

 Hinter dem Verkaufsraum läuft die Kommissionierung vollautomatisch

In wie vielen Sprachen sagt man „Rudolfsheim“? 

Taheri ist sich bewusst, dass die äußere Mariahilfer Straße von der Kaufkraft her nicht mit Hietzing oder Döbling zu vergleichen ist, und bemängelt auch die geringe Ärztedichte im Umkreis. „Aber von den Menschen – vorwiegend Arbeiter und einfache Angestellte –, die hier leben, bin ich positiv überrascht!“ Rudolfsheim, der 15. Bezirk, ist ein ausgesprochen multikulturelles Pflaster: „Wenn Sie die Tür offen halten, hören Sie von den Vorübergehenden 50 Sprachen!“ 

Da trifft es sich gut, dass auch das Team – neben Taheri ein weiterer Pharmazeut sowie drei PKA – zusätzlich zu Deutsch und Englisch auch Serbisch, Türkisch und Arabisch im Köcher hat. Und natürlich Farsi, denn der 50-jährige Danial Taheri stammt, ebenso wie seine Frau Soraya Ghavamnasir, die Buchhalterin im Haus, aus dem Iran: „Eigentlich bin ich ausgebildeter MTA, im Iran ist das ein paramedizinisches Studium. Aber als ich 1994 nach Österreich kam, war es nicht nostrifizierbar. Also begann ich, Pharmazie zu studieren. Deutsch musste ich erst noch erlernen – trotzdem war ich nach fünf Jahren mit dem Studium fertig. Ein Ziel vor Augen zu haben ist gut. Genauso wichtig ist aber der starke Wille, es zu erreichen!“ 

Danial Taheri schaffte in fünf Jahren das Pharmaziestudium in Wien - und lernte nebenbei Deutsch

Apotheke Zur heiligen Martha
Mariahilfer Straße 192/Top 1, 1150 Wien
Beschäftigte: 6
Gesamtfläche: 210 m²
Geschäftsführer: Mag. pharm. Danial Taheri
www.zur-heiligen-martha.at

© Text: Harald Sager; Fotos: Stefan Diesner