Best-Practice-Beispiel

Nach Baden – nicht nur zur Kur

Stadtflucht. Die gebürtige Wienerin Mag. pharm. Eva Woertz übernahm 2006 die Heilquell Apotheke in Baden, baute sie von Grund auf um und zog schließlich der Lebensqualität wegen selbst in die Kurstadt. Ihre Apotheke bietet etliche Zusatzleistungen – bis hin zum „Tabletten Taxi“. 

Die Kurstadt Baden bezaubert mit ihren vielen herausgeputzten Biedermeierhäusern, der Fußgängerzone, dem ausgedehnten Kurpark. Unweit davon befindet sich die Heilquell Apotheke. Ihre Leiterin, Mag. pharm. Eva Woertz, weiß die Atmosphäre der Kleinstadt zu schätzen: „Die Menschen sind einfach entspannter. Bis 2010 bin ich von Wien herausgependelt, seither lebe ich hier – und habe es nie bereut!“ 

Trinkwasser aus der QuelleEva Woertz ist eine Vollblut-Apothekerin und hat ab dem ersten Studiensemester in Apotheken gearbeitet: „Bevor ich diese hier übernahm, war ich in mindestens zehn anderen, meist im Volldienst. Ich wollte lernen, Erfahrungen sammeln und war daher immer in anderen Bereichen tätig: im Verkauf, im Labor, Personalwesen und zuletzt – in der SCS – in leitender Position.“ Im Jahr 2006 bot sich die Gelegenheit, die Heilquell Apotheke zu übernehmen, und Woertz schlug sofort zu. Im Jahr darauf ließ sie die Räumlichkeiten komplett umbauen. Das dauerte bei laufendem Betrieb mehr als ein halbes Jahr und kostete einiges an Nerven. Erst kam der Architekt abhanden, dann stimmten die Maße zum Teil nicht mit den Plänen überein. Kurzerhand plante die Chefin mit Hands-on-Mentalität das Backoffice einfach selbst.

Letztlich ist alles gut gegangen: Jetzt gibt es einen hellen zweigeteilten Hauptraum, mit den Kosmetikprodukten auf der linken und den Taras und Heilmittelregalen auf der rechten Seite. Dahinter befinden sich das Labor und das Überlager, ein Büro und im ersten Stock eine zusätzliche Wohnung, die teils von einer Kosmetikerin als Behandlungsraum, teils für Nachtdienste genutzt wird. Den Abschluss des Verkaufsraums bildet der Kommissionierungsautomat, der mit rund 10.000 Artikeln gefüllt ist. Das gewünschte Arzneimittel wird vom Display an der jeweiligen Tara abgerufen, von einem Greifarm herausgepickt und mittels Förderband zu einer der beiden Ausgabestellen geschickt – ein technisches Wunderwerk!

Im ersten Stock werden von einer Kosmetikerin Behandlungen angeboten

Weniger Kurgäste, mehr Stammkunden

Anders als man glauben könnte, machen nicht die Kurgäste den größten Teil der Kunden aus: „Die kaufen eher Kosmetik bei uns, etwa weil die Haut von den Behandlungen austrocknet. Zu uns kommen hauptsächlich Stammkunden“, so Woertz. Diese kennen und schätzen nicht nur die Apothekerin und ihre Kolleginnen, sondern auch die zahlreichen Zusatzleistungen. Eine ganze Wand des Labors ist beispielsweise mit Arzneimitteln und Granulaten aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gefüllt. Diese bestehen oft aus Dutzenden Komponenten und machen besonderes Know-how in der Zubereitung notwendig. Über ein solches verfügen Woertz’ Mitarbeiterinnen auch in den Bereichen orthomolekularer Medizin, Nährstoffe sowie Mineralstoffe nach Dr. Schüssler oder Darmgesundheit. Eva Woertz selbst ist zusätzlich Mastercoach in Aromatherapie und Dermokosmetik-Beraterin. Ja sogar ein Gerät zur Haut- und Haaranalyse gibt es. Zusätzlich hat die umtriebige Apothekerin die Eigenmarke „Dr. Jordan“ lanciert. Ein österreichischer Produzent fertigt nach Rezepturen der Heilquell Apotheke Salben, Balsame und Tropfen, allesamt nach strengen Qualitätskriterien hergestellt, ohne Farb- und Konservierungsstoffe und vegan. Im Vordergrund steht für Woertz die fundierte Beratung: „Wir als Apothekerinnen stehen für eine unabhängige Fachmeinung. Das ist gerade in Zeiten, in denen die Menschen Zugang zu sehr vielen, aber auch sehr oberflächlichen Informationen im Internet haben, wichtig.“ 

In der Heilquell Apotheke wird besonders auf eine fundierte Beratung gesetzt

Mit dem Tabletten Taxi durch Baden

Zum erweiterten Service der Heilquell Apotheke gehört auch das „Tabletten Taxi“, das im Vorraum auf seinen Einsatz wartet. „Kunden, die gerade nicht in der Lage sind, ihr Präparat abzuholen, bekommen es von uns geliefert. Ebenso auch diejenigen, die zu uns gekommen sind, wenn das Produkt gerade nicht vorrätig war. Wir reichen es dann persönlich nach. Diesen Service haben wir immer schon angeboten, aber seit Ende des Vorjahres tun wir es mit unserem neuen Lastenfahrrad“, erzählt Eva Woertz. Da die Transportbox bis zu 120 kg fasst, ist es praktischerweise ein E-Bike. Muskelkater ist also keiner zu befürchten, wenn die Mitarbeiterinnen nach der Auslieferungstour wieder in der Apotheke stehen.Das Tabletten Taxi liefert Präparate an Kund*innen

Mag. pharm. Eva Woertz über die "Coronazeit":
Wir haben uns erheblich umstellen müssen: Vor den Taras haben wir Plexiglaswände aufgestellt und die Kosmetikabteilung auf der linken Seite abgeriegelt, da der Sicherheitsabstand dort nicht gewährleistet war. Dann haben wir uns auf zwei Teams aufgeteilt, eins von Montag bis Mittwoch, das andere von Donnerstag bis Samstag. So standen zwei Kolleginnen an zwei Taras statt, wie sonst, vier an vier. Ebenso viele Kunden durften gleichzeitig in der Apotheke sein. Vor dem Eingang achtete ein Student darauf, dass die Wartenden Abstand halten. Wir erhielten wesentlich mehr Kundenanrufe, stockten das Überlager auf, und der Kommissionierungsautomat arbeitete an der Kapazitätsgrenze. Dass wir gelegentlich Rezepte per E-Mail bekamen und vorbereiteten, der Patient dann aber nicht erschien, machte die Sache auch nicht leichter.

Mag. pharm. Eva Woertz

Heilquell Apotheke
Antonsgasse 1, 2500 Baden
Mitarbeiterinnen: 14
Größe der Apotheke: 170 m²
Gesamtfläche inkl. Büro, Wohnung und Nebenräume: 410 m²
Geschäftsführerin: Mag. pharm. Eva Woertz
www.heilquellapo.at

© Text: Harald Sager; Fotos: Philipp Tomsich